Vernunft und
Glaube sind für westliche Denker Gegensätze. Die Chinesen sehen
das anders. Sie unterscheiden nicht streng zwischen Religion und Philosophie;
das soll heißen:
Bei den Chinesen sind die Grenzen zwischen dem, was sie wissen, und dem,
was sie glauben, fließend. Der Taoismus, der Konfuzianismus und
auch der Buddhismus sind ursprünglich philosophische Systeme. Sie
stellen Regeln für das gesellschaftliche Leben auf, die allerdings
auf einer kosmischen Ordnung basieren und den Willen des "Herrn darüber"
repräsentieren. Deshalb kann der Mensch sowohl an sie glauben als
auch um sie wissen.
Yin und Yang der Ursprung chinesischen Denkens gründet auf den Begriffen
"Yin und Yang".
- "Yin" symbolisiert das Erhaltende, das Ausdauernde, das
Weibliche, den Mond.
- "Yang" steht für die schöpferische Kraft, das
Dynamische, auch Zerstörende, die Sonne, das Männliche.
Beide Pole bilden durch ihr Zusammenfügen die große Harmonie.
Das Männliche kann nicht ohne das Weibliche sein. Die Erde lässt
sich nicht ohne den Himmel denken. Es gibt kein Weiß ohne ein Schwarz,
kein Oben ohne ein Unten, kein Gutes ohne Böses. Zwischen diesen
Polen wogt das Leben. Mal geht es bergauf, mal bergab, mal überwindet
Yang das Yin, mal ist es umgekehrt. Auf einen Sieg muss eine Niederlage
folgen. Eine Schwäche wird sich irgendwann zur Stärke wenden.
Der Kosmos dirigiert das Auf und Ab. Er ist die Synthese von Yin und Yang.
Die Grundzüge dieses philosophischen Gebäudes sind im klassischem
Weissagebuch, dem "Buch der Wandlungen", erläutert, das
aus der Zeit um 2500 v. Chr. stammen soll. Aus diesen Quellen nähren
sich auch die beiden bekanntesten Strömungen Chinas:
Taoismus und Konfuzianismus. Die Grundidee des Werkes ist jene, welche
besagt, dass alles steter Wandlung unterworfen sei. Der Mensch, der dieses
ewige Gesetz erkannt habe, richte seinen Blick nicht mehr auf die vorübereilenden
Dinge. Er unterstelle sich bewusst der Kosmischen Ordnung. |