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Philosophie/Konfuzianismus
  Konfuzianismus  

Die Chinesen der Frühzeit – und auch heute ist es noch häufig so – verehren die Ahnen, die Geister der Verstorbenen.
Man rief sie an, wenn man Rat suchte. Man holte also seine Kraft für das Leben von „außen“.

Im Konfuzianismus trat erstmals eine Philosophie auf, die die Lebensregeln von „innen“ her erstellte. Jetzt wurde der Mensch für seine Handlungen direkt verantwortlich. Das Göttliche lebt, Konfuzius zufolge, nicht nur im Kosmos, es ist auch im Menschen vorhanden. Der muss es nur entdecken und in sich fördern. Zum Göttlichen gehören auch Menschlichkeit, Humanität, Güte, Liebe und Tugend. Wer diese Kräfte in sich belebt, führt ein weises Leben.

Konfuzius ( 551-479 v. Chr.) brachte den chinesischen Humanismus zu einem Höhepunkt . Er verstand sich als Wahrer der Jahrtausende alter Tradition. Für ihn war die Menschlichkeit die Wurzel allen Zusammenlebens. Humanität unterscheidet den Menschen vom Tier. Menschlichkeit zeigt sich im familiären Bereich durch Pietät und Kindesliebe, in der Geschäftswelt und der staatlichen Ordnung durch Loyalität und Treue. Die Prinzipien der Menschlichkeit sah er in den drei so genannten >>unumstößlichen Prinzipien<< verwirklicht: Unterordnung des Sohnes unter den Vater, der Frau unter den Mann (zu dieser Zeit herrschte ein anderes Weltbild) und des Volkes unter den Herrscher.

Ein Edler ist für Konfuzius nicht ein adlig geborener, sondern ein tief von Moral durchdrungener Mensch. Die soziale Stellung hat für den Weisen keine Bedeutung. Er differenziert deutlich zwischen einem überlegenen Menschen, nimmt aber nicht das Soziale zum Maßstab. Für ihn ist ein Mensch überlegen, wenn er nach Vervollkommnung strebt, und minderwertig, wenn er nur an seinen Profit denkt. Bei Konfuzius deutet sich der Gedanke der Gleichheit aller Menschen an, da er jedem Menschen die Möglichkeit, edel zu werden, zubilligte. Eines aber übersah der Weise, nämlich dass sich die Masse der Bevölkerung seine Gedanken nicht zu eigen machen konnte, denn diese war ja von den Bildungsmöglichkeiten völlig ausgeschlossen.

Ein Schüler des Konfuzius, Menzius (Meng Zi, 372-289 v. Chr.), übte ebenfalls weitreichenden Einfluss auf die chinesische Staatsphilosophie aus. Er behauptete, dass der Mensch von Natur aus gut sei. Jeder verfüge über ein angeborenes Wissen dessen, was gut und schlecht sei.

Das Gegenteil davon behauptete ein jüngerer Zeitgenosse des Menzius, Xun Zi (313-238 v. Chr.). Ihm zufolge ist der Mensch von Natur aus schlecht. Das Charakteristische des Menschen sei die Begierde, sie führe zu Streit und Neid. Deshalb müsse die menschliche Gesellschaft nicht von >>innen<< her – wie es Konfuzius wollte - sondern durch strikte drakonische Gesetzgebung von außen geformt werden.

Dong Zhongshu (175-105 v. Chr.) erklärte, dass die Natur des Menschen gut sei, die Gefühlswelt aber schlecht .Sie verunsichere die Menschen, pflanze ihm Neid und Hass ein. Dongs Lehre machte auf den Kaiser einen so starken Eindruck, dass er den Gelehrten zum Premierminister ernannte. Seit jener Zeit ist der Konfuzianismus in China Staatsideologie; alle anderen Lehren wurden verboten, was aber beileibe nicht zu ihrer Ausrottung führte. Im Gegenteil. Der Konfuzianismus hatte nie vermocht, die Glaubensvorstellungen und die religiösen Bedürfnisse des einfachen Volkes zu befriedigen. Er feierte in der Beamtenschaft Triumphe, während das Volk sich dem Taoismus zuwandte.

Der Konfuzianismus endete im heutigen China bei der Literaturrevolution in Jahre 1919.

 
  Quelle: Günter Ippendorf 2. TG
ewto